Nichts ist unmöglich
Fassungslos las ich in der Zeitung, daß bei der Eröffnungsveranstaltung zur Bundesgartenschau in Koblenz, die Güterzüge eine Stunde nicht fahren dürfen. Begründung: Der Bundespräsident hält eine Ansprache und die Rheinische Philharmonie spielt auf. Das würde ich mir auch mal wünschen für das Kurkonzert in Boppard, aber da spricht nicht der Bundespräsident und es musizieren nur Amateurmusiker. Es hören auch nicht 3.000 geladene Gäste zu, sondern nur Einheimische und Urlauber und die müssen ohnehin tagein tagaus mit diesem Lärm leben. Zur Beruhigung wird einen Tag zuvor noch schnell verkündet, daß man nach einer alternativen Trasse für den Güterverkehr auf der Schiene sucht. Doch da braucht man nicht lange zu suchen. Von Köln aus ginge es über die Eifelbahn nach Trier und von dort weiter über Saarbrücken und Mannheim Richtung Schweiz oder Baden-Württemberg oder eben über Simmern und Langenlonsheim in Rictung Rhein-Main, Bayern oder Österreich. Diese Strecken müßten lediglich entsprechend ausgebaut werden.
Doch das werden wohl Träume bleiben, denn sofort werden sich Bürgerinitiativen bilden, die gegen diesen Lärm sind mit freundlicher Unterstützung von Bündnis 90 / Die Grünen protestieren, so wie auch bei anderen Verkehrsprojekten in unserer Region.
Fast wehmütig erinnere ich mich an Auftritte von Joachim Mertes (SPD) im Wahlkampf, bei denen er sich leidenschaftlich für den unverzichtbaren Hochmoselübergang einsetzte. Jetzt regiert die SPD weiter, doch für den Hochmoselübergang wird ein Baustop verhängt. Da stehe ich wieder fassungslos da. Ein Nachtflugverbot für den Flugplatz Hahn kam für die bisherige SPD-Regierung auch nicht in Frage. Und jetzt? Plötzlich ist auch das nicht mehr ausgeschlossen. Wieder bin ich fassungslos. Noch vor wenigen Wochen konnten die Herren Hering, Beck, Lewentz und Mertes gar nicht laut genug posaunen, wie wichtig und unverzichtbar die Rheinbrücke für sie ist. Fassungslos muß ich zur Kenntnis nehmen, daß sich seit dem Wahltag keiner dieser Herren mehr öffentlich zu diesem Thema geäußert hat. Vielleicht auch gut so, weil die Fahrzeiten der Fähren am Mittelrhein zu verlängern auch ausreichen würde. Doch auch hiervon hört man nichts mehr!
Das kommt davon, wenn man als SPD unbedingt eine Koalition mit den Grünen eingehen möchte, obwohl man politisch absolut konträre Vorstellungen hat. Da wird es eben schwer, sein Gesicht nicht zu verlieren. Mit der CDU hätte es sicher mehr Gemeinsamkeiten gegeben. Aber diese Koalition steht für König Kurt natürlich gar nicht erst zur Debatte. So spart man sich Diskussionen über Beschlüsse im Bundesrat. Die Bürger im Land sind da vollkommen egal. Was interessiert die SPD noch ihr Geschwätz von gestern? Und der Bürger bleibt fassungslos zurück!
Walter Maifarth
FDP Boppard
Leserbrief vom 16.04.2011
Letzte Änderung: Sonntag, 8. Mai 2011