Rheinbrücke - für wen?
Seit Jahrzehnten schon wünschen wir uns am Mittelrhein eine Brücke, die die beiden Rheinufer verbinden soll. Gerade zu Wahlkampfzeiten tauchen immer wieder Politiker auf, die versprechen, sich für eine schnelle Verwirklichung dieser Idee einsetzen.
Aber brauchen wir wirklich eine Brücke am Mittelrhein?
Die soll für eine bessere und schnellere Verbindung von einer auf die andere Rheinseite sorgen. Nehmen wir mal als Beispiel einen Bopparder, der mit seinem PKW von Boppard nach Kamp möchte. Bisher klappt das mit einer Wartezeit am Fähranleger und einem Obulus für den Fährmann ganz gut. Zukünftig aber wird erst eine Fahrt nach St. Goar nötig, wo die Brücke geplant ist, und dann wieder zurück von St. Goarshausen nach Kamp. Das Ergebnis: Mehr Spritverbrauch, mehr Umweltbelastung aber kaum Zeitersparnis und eine höhere Belastung des eigenen Portemonnaies wegen dem höheren Spritverbrauch.
Während sich die Fähren seit Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten in das Landschaftsbild einfügen, wird auch eine noch so schöne Brücke dies niemals tun. Egal ob die UNESCO nun das Projekt Rheinbrücke absegnet oder nicht.
Bleiben noch die Kosten für eine solche Bücke. Neben gigantischen Baukosten verursacht sie auch noch ständige Reparatur- und Instandhaltungskosten. Wie schwer diese aufzubringen sind, sehen wir gerade beispielhaft in Koblenz. Zudem wäre eine Rheinbrücke nur dann sinnvoll, wenn sie Teil des Ost- West-Straßennetzes würde. Dies aber bedeutet weitere Kosten für Ausbaumaßnahmen von Straßen, die auf Hunsrück und Taunus führen. Wer soll das alles bezahlen? Wie lange dauern Planung und Bau?
Ohnehin dürfte der Bau einer Brücke das Ende der Fährverbindungen bedeuten, die dann wohl kaum mehr rentabel zu betreiben sein werden. Statt 3 Fährverbindungen haben wir dann nur noch eine Brücke. So stelle ich mir Fortschritt nicht vor.
So entpuppt sich die Rheinbrücke wohl nur als ein Thema für profilierungssüchtige Politiker, die insgeheim darauf hoffen, dass das Projekt niemals verwirklicht wird.
Wer wirklich daran interessiert ist, daß wir im Mittelrheintal künftig besser von einem zum anderen Ufer kommen, der sollte sich besser dafür einsetzen, dass die Fähren durch Zuschüsse ihre Fahrtzeiten verlängern können. Eine schnell zu verwirklichende und weitaus günstigere Lösung!
Walter Maifarth
1. Vorsitzender
FDP Boppard
Letzte Änderung: Samstag, 28. August 2010